Ein Leben für die Bildung und für den Frieden

Vor 100 Jahren wurde Dr. Rieder geboren, der sich sehr in unserer Studiengesellschaft engagiert hat

Geboren wurde Franz Rieger am 8. Juni 1916 in Riedisheim im Elsaß (damals deutsch) Nach dem Abitur wurde ihm als 25%igem Nichtarier das Studium verweigert. Nach 5 1/2 Jahren Kriegsdienst begann er ein Studium in Basel, musste es aber krankheitshalber 1949 abbrechen.
 
Die Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus (er selbst durfte nicht studieren; der Vater wurde unter Druck gesetzt, sich von seiner Frau trennen, und wurde wegen seiner Weigerung degradiert; der Schwager war unter Lebensgefahr bei der „Weißen Rose“ aktiv) wurden entscheidend für seinen weiteren Berufsweg und seine politische Grundeinstellung mit der Forderung nach Meinungsfreiheit und Toleranz. Und so fand er mit der Anstellung 1957 als stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Landeszentrale für politische Bildung in Stuttgart eine geeignete Bühne, um in diesem Sinne zu wirken und Einfluss zu nehmen.

Noch umfänglicher war ihm dies möglich als geschäftsführender Direktor der Münchner Volkshochschule (von 1963 bis zu seiner Pensionierung 1981). Zwei bedeutende Einrichtungen wurden hauptsächlich von ihm initiiert: der „Münchner Bildungsweg“ und der „Gesundheitspark“, der 1972 in den freigewordenen Räumen des Olympiazentrums eingerichtet wurde. Er war maßgeblich beteiligt am professionellen Aufbau der Münchner Volkshochschule mit Stadtteil- und Zielgruppen-Arbeit sowie an der massiven Vergrößerung des Programmangebotes.

Von 1965 bis 1980 war er Vorstandsmitglied des Bayerischen Volkshochschulverbandes, davon die letzten 6 Jahre als 1. Vorsitzender. Für seinen "beispielhaften Einsatz für die Erwachsenenbildung" hat ihm Bundespräsident Karl Carstens 1982 das Verdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Er schrieb eine Vielzahl von Artikeln über die Erziehung zur Menschlichkeit und zu ökologischen Themen.

1964 engagierte Herr Dr. Rieger sich vehement gegen die Teilhabe der Bundesrepublik an Atomwaffen oder deren Verfügungsrecht und war Mit-Herausgeber des Buchs "Atomwaffen und Gewissen".

Als gläubigem Christen waren ihm der Schutz der Natur, die Sicherung der Lebensgrundlagen künftiger Generationen und die Erhaltung des Friedens wichtige Anliegen, die ihn zahllose Leserbriefe sowie persönliche Briefe an einflussreiche Personen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben schreiben lassen.

Insbesondere nach seinem Ausscheiden aus der Volkshochschule hat Herr Dr. Rieger sich intensiv mit Möglichkeiten und Maßnahmen zur Erhaltung des Friedens auf der Welt beschäftigt und viele Artikel publiziert und Leserbriefe geschrieben. Zusammen mit Frau Christel Küpper und weiteren "Mitstreitern" hat er über viele Jahre hinweg in der Studiengesellschaft für Friedensforschung an der Erstellung der "Denkanstöße" (zu Themen der aktuellen Friedens- und Sicherheitspolitik) mitverfasst und die Bücher "Friedensgebete aus aller Welt“ und „Du bist schön, meine Erde“ herausgegeben.

Zum heute wieder top-aktuellen Thema „Asylpolitik“ formulierte er die Denkanstöße „Fremdenhass aus Angst“ (1987), „Deutschland den Deutschen, Bedrohung durch Ausländer“ (1991) und „Fundamentalismus“ (1993). Die Einschränkung des Asylrechts durch Artikel 16a des Grundgesetzes empörte ihn - insbesondere, dass die sich christlich nennenden Kirchen nicht eindeutig dagegen protestierten.

Herr Rieger ist am 26. Mai 2002 in seinem Wohnort Sauerlach gestorben.


 

 
  RELEVANTE VERANSTALTUNGEN

Die Studiengesellschaft lädt zur folgenden Veranstaltung ein:

"In weiter Ferne - (k)eine Lösung" vom 11.-13.11.2016 auf dem Aspenstein in Kochel am See

Inhalt der Tagung:
 

Israel und die seit 1967 besetzten palästinensischen Gebiete  - ein Konflikt, der uns eine gefühlte Ewigkeit begleitet, und ein Dauerthema, das uns immer wieder mit nahezu identischen Fragestellungen beschäftigt: Wann wird es Frieden im Nahen Osten geben? Ist die internationale Staatengemeinschaft noch Akteur oder nur noch bestrebt, den Status quo zu erhalten - ohne jegliche Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden?

 

Für unsere Tagung sind hochkarätige Expert/innen – aus Deutschland, Israel und den besetzten Gebieten - eingeladen. Anhand von drei Themenbereichen (u.a. Wasserversorgung) wird diskutiert, warum eine Annäherung und eine Verständigung zwischen der israelischen Besatzungsmacht und den besetzten Palästinensern kaum oder nicht mehr möglich scheint. Wie unterscheiden sich die jeweiligen Positionen bei ein und demselben Thema? Gibt es noch Wege und Mittel der Verständigung oder gar Gemeinsamkeiten?

 

Wir möchten alle Teilnehmenden anregen, sich selbst ein Bild zu machen über die Art der Differenzen und der Konflikte und über die Genese divergierender Einschätzungen. Wir bieten ein Forum zum Abwägen, Schlussfolgern und natürlich für die Diskussion mit den Experten.

Die Tagung wird konferenzgedolmetscht – englischsprachige Interessierte sind herzlich willkommen!


 

  AKTUELL
 
 Stellungnahme der Deutschen Sektion der IALANA
 
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 IALANA-Veranstaltung am12. Mai 2015 in der Berliner
 Humboldt-Universität zu den griechischen
 Entschädigungsforderungen (NS-Besatzung)

 
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 NSA-Ausspähungen und der demokratische Verfassungsstaat -
 Neun Thesen zum rechtspolitischen Handlungsbedarf
 
Erschienen im Heft 206/207 der Bürgerrechtszeitschrift "Vorgänge"
 
PDF Dokumente zum herunterladen: link und link

 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz -
 Was die Enkelgeneration heute bewegt
 
Judith Bernstein, München, 20. Januar 2015
 PDF Dokument zum herunterladen: link 

 Das Friedensgebot des Grundgesetzes und der
 UN-Charta - ... und die Bundeswehr?
 
Vortrag von Dieter Deiseroth, erschienen im
 
Justizministerialblatt Schleswig-Holstein
 ("Schleswig-Holsteinische Anzeigen" - Heft November 2014)
 PDF Dokument zum herunterladen: link 

 "Hier muss kräftig gegengesteuert werden"
 
Der Bundesrichter Dieter Deiseroth zur NSA-Affäre,
 zu Geheimverträgen, Verfassungsbrüchen und der
 Souveränität Deutschlands: link

 Verleihung des Whistleblowers-Preises 2015
 Links: SWR.de, derstandard.at
 
Brandon Bryant zur Theaterveranstaltung am 17.10.2015
 im Staatstheater Mainz: merkurist.de

 Brandon Bryant in der Talkshow bei Markus Lanz im ZDF
 am 22.10.2015: zdf.de

 Fotos zur Preisverleihung: flickr.com
 Jury-Begründung (Kurz- und Lang-Begründung
 zu den Preisträgern): ialana.de, ialana.de, ialana.de
 
 Einstimmung auf Verfassungs- und Völkerrechtsbruch
 
Autor: Dr. Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht
 Zum Artikel auf den Internetseiten von "Hintergrund"

 Iran und die Bombe.
 
Dieter Deiseroth/Bernd Hahnfeld: Kein Recht zum Präventivkrieg.
 Blätter für deutsche und internationale Politik 1/2012
 www.blaetter.de

 bpb: Bundeszentrale für politische Bildung
 Informationsportal "Krieg & Frieden"

 
   
Aktualisiert: Oktober 2016